So war Berlin.

Journal 18. Januar 2024

Aurelia war im Mai 2023 einen Monat in Berlin. Sie hat sich dort mit Inspirationen vollgesogen, Grossstadtluft geschnuppert und andere Perspektiven eingenommen. Was sie aus dieser kurzen Auszeit mitgebracht hat? Ein anderes Gefühl für Distanzen. Und die Erkenntnis, dass eine fremde Umgebung, Gewohntes nicht nur hinterfragt, sondern Ansichten neu definiert. Hier ihr Bericht:

Nach acht Jahren im Büro a+o hatte ich das Bedürfnis, mal aus dem Arbeitsalltag auszubrechen, um neue Eindrücke zu gewinnen und meinen gestalterischen Blick zu schärfen. Statt wie anfänglich meine Idee war, in Berlin remote zu arbeiten, durfte ich vier Wochen Zeit für mich und meine eigenen Projekte nutzen (nochmal ein herzliches Dankeschön an dich, Andy!).

Ich verbrachte viel Zeit in Museen, Cafés und Parks. Auch das Entdecken von einzigartigen Läden und gutem Essen machte mir Freude, was mich intuitiv durch die Quartiere schlendern liess. Mein Skizzenbuch war ein täglicher Begleiter und so tauchte ich neugierig und beobachtend in das Leben von Berlin ein. An jeder Ecke und auf allen Ebenen fand ich Inspiration. Die Herausforderung war, mir nicht zu viel vorzunehmen und mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Die vielen Möglichkeiten und das unendlich grosse Angebot an Kunst und Kultur verlangte, meine Interessen zu priorisieren. Ich merkte schnell, dass weniger mehr ist: Meine Zeit bewusst zu investieren und mich auf einzelne Momente zu konzentrierten, erschien mir wertvoller, als von einem Ort zum anderen zu hetzen.

Ein gutes Mass an In- und Outputs
Der Workshop bei «Drucken3000» gab mir und meinem Vater, welcher sich aus Anlass seiner Pensionierung eine Reise nach Berlin gönnte, die Möglichkeit, das Handwerk des Risodrucks näher kennenzulernen. Dadurch auch in Kontakt mit Berliner*innen zu kommen, war wertvoll und der Austausch spannend. Die Kursleiterin und Illustratorin Mina Braun gab Einblick in analoge Kreativtechniken, in die wir uns vertiefen und schliesslich ein Plakat entwerfen konnten.

Ein anderes Highlight waren die Licht- und Soundinstallationen im «Dark Matter». In schwarzen Räumen eines ehemaligen Fabrikgeländes werden dort halbjährlich neue Welten geschaffen. Licht, Bewegung und Klang verschmelzen zu emotionalen Choreografien aus leuchtenden Formen und Farben. Ich liess mich von den sinnlich interaktiven Werken in den Bann ziehen – welche mal zum Innehalten, mal zum Staunen einluden.

Kurze Reise in meine Vergangenheit
Weil meine Aufnahmefähigkeit irgendwann an ihre Grenzen kam, reiste ich zur Abwechslung für ein paar Tage nach Leipzig, um dort Freunde zu besuchen. Vor zehn Jahren habe ich im Grafikstudio Hug & Eberlein ein halbjähriges Praktikum gemacht. Das Inhaberpaar und seine Familie nach so langer Zeit wieder zu treffen, war bereichernd und berührend zugleich. Auch das Unterwegssein mit den Menschen aus meiner ehemaligen WG war grossartig. Obwohl sich die Stadtteile gewandelt und sich die Leute verändert haben: Durch die Karl-Heine-Straße oder am Kanal entlang zu laufen, nach Fundstücken am Flohmarkt zu suchen oder um Mitternacht Pizza auf der Strasse zu essen, fühlte sich an wie damals.

Und mein Fazit?
Wir Menschen gewöhnen uns unglaublich schnell an andere Begebenheiten. So kamen mir die weiten Distanzen innerhalb der Stadt und die damit verbundenen Wege plötzlich kurz – oder zumindest normal vor. Ich habe die Zeit in der U-Bahn oder auf dem Fahrrad bald geniessen können oder zum Beobachten und Nachdenken genutzt. Mein Bewegungsradius in der Schweiz hat sich seit meiner Reise erweitert. So fahre ich nun wieder öfter für ein Nachtessen oder Konzert nach Bern, auf einen Kaffee nach Zürich oder an einen Workshop nach Luzern.

Das Eintauchen in eine fremde Stadt bedeutet auch, offen für Neues zu sein. Sich von seinen Gewohnheiten und Routinen zu lösen, brachte anfänglich eine gewisse Unsicherheit mit sich. Der Abstand zu allem gab mir jedoch die Möglichkeit, mich von einer neuen Seite kennenzulernen. Auch habe ich begonnen, mich mit neuen Themen auseinanderzusetzen und eigene Werte und Bedürfnisse aus einer anderen Perspektive zu betrachten. So gesehen war mein Berlintrip eine wunderbare Lektion zum Thema «Festgefahrene Ansichten».

 

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